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English Guittar
Für dieses nur in England zwischen 1750 und 1820 gespielte Instrument aus der
Familie der Cistern hat der Bachschüler Rudolf Straube drei Sonaten komponiert,
die ich gerne spielen und auf CD bannen möchte.
Die English Guittar hat keine Verwandtschaft mit der Gitarre
(auch nicht mit den barocken Versionen): birnenförmiger Korpus, vier doppelchörige
und zwei Einzelsaiten, Stimmung c-e-g-c'-e'-g', Stahlsaiten und hinterständige
Saitenbefestigung. Dass das Instrument den Namen Guittar (mit zwei "t"!) oder English
Guittar trägt, hängt vielleicht damit zusammen, dass in dem fraglichen Zeitraum
in England kein anderes Instrument mit dem Namen guitar belegt war. Entstanden
der heute irreführende Begriff sicher durch Lautverschiebungen: cister - cither -
gitter - guittar. Mit einer Ausnahme wurde die Musik für English Guittar
in normaler Notenschrift und nicht in Tabulatur notiert. Die wenigen vorhandenen
Stücke und Schulen lassen vermuten, dass die English Guittar sowohl mit
Fingern als auch mit einem Federkiel angeschlagen wurde.
Die C-Dur-Stimmung und die Kombination aus Stahlsaiten und Fingerkuppenanschlag
lässt eine interessante Klangwirkung vermuten: laut und weich zugleich. Jedenfalls
ein Klang, der vermutlich mit einem anderen Lauten oder Cisterinstrument
kaum nachzuahmen ist. Die Suche nach einer English Guittar war aber
leider vergeblich: ich konnte weder ein spielbares Original, noch einen Nachbau finden.
So fiel kurzer Hand die Entscheidung, den Nachbau anzugehen.
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Planungsphase:
Der Besuch im Leipziger Grassi-Museum beim Konservator Herrn Wieland Hecht
war entscheidend: eine dort unter der
Inventarnummer 5005 verzeichnete English Guittar, die das Museum 1996 aus
Privatbesitz erwerben konnte ist so gut erhalten, dass alle Baudetails
perfekt festgehalten werden konnten.
Durch die intensive Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Cisterinstrumente
von Prof. Dr. Andreas Michel von der Fachhochschule für Instrumentenbau in Markneukirchen
war es glücklicherweise auch möglich, an alle übrigen Informationen rund um das
Instrument und die ganze Instrumentenfamilie zu gelangen.
Beiden Herren gebührt an dieser Stelle mein ausdrücklicher Dank!
Zunächst wurden exakte Baupläne erstellt und die Materialauswahl getroffen.
Am schwierigsten war und ist hierbei die Beschaffung, bzw. Herstellung der sehr
speziellen "Preston-Mechaniken".
Zur Zeit gibt es keinen Hersteller, der sich
mit der Herstellung dieser feinmechanischen Meisterwerke befasst. In ähnlicher
Form kann man solche Mechaniken noch heute an alten Waldzithern bewundern.
Ein wunderschön gearbeitetes Einzelstück konnte ich von einem Gitarrenbauer
aus Japan erwerben, die nun als Vorlage für eine Nachfertigung dient. Der Aufwand
ist beträchtlich und wird der größte Kostenfaktor für die beiden Instrumente sein.
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Bauphase:
Baubeginn: 2.12.06
Zur Zeit ist der Bau unterbrochen, weil ich auf Röntgenaufnahmen des Leipziger
Grassi-Museums warte, die die sehr ungewöhnliche Verbalkung des Vorbildinstrumentes
zeigen soll.
Jetzt ist Bewegung in die Sache gekommen: die
Röntgenaufnahmen werden noch im September gemacht und außerdem habe ich für
eine begrenzte Zeit ein Englishguittar von 1768 aus dem Besitz der
Musikhochschule Wuppertal ausleihen können. Damit steht der Weiterführung der
geplanten Nachbauten nichts mehr im Wege.
Die ersten, am Biegeeisen gebogenen
Ahorn-Zargen.
Der Zargenstock, in dem Zargen in Form gehalten und später mit den Reifchen
verbunden werden.
Zwei Deckenhälften nebeneinander.
Die erste Fichtendecke frisch gefügt und noch eingespannt.
Ein Reifchen wird an eine Zarge gepresst.
Inzwischen sind die Bodenhälften (natürlich auch aus Ahorn) zusammengefügt
und eine Form für die spätere Verbindung der Zargen mit Unter- und Oberklotz
sowie mit dem Boden ist entstanden.
Der Baufortschritt wird hier weiter dokumentiert werden.
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