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Linsen-Gitarre
Konzeption:
Die Idee zu dieser Gitarre kam mir bei einem langen und sehr interessanten
Gespräch mit einem Akustikingenieur: Vollständig entgegengesetzt zur
Gitarrenbautradition versicherte er mir glaubhaft, dass Verbalkungssysteme
unter der Decke schwingungstechnisch nicht nötig seien, um die bei
einer klassischen Gitarre gewünschten Klänge zu erzeugen:
Das ideale Schwingungsprinzip sei eine einfache Membran: kreisförmig,
außen dünn, innen dick; wie bei Lautsprechern oder Trommeln und Pauken.
Das klang sehr utopisch, aber irgendwann dämmerte mir, dass der Mann
recht haben könnte. Ich beschloss trotz des Risikos, ein paar hundert Euro für
das Rohmaterial einer klassischen Gitarre in den Wind zu schießen, einen nach seinen
Vorstellungen konstruierten Prototyp zu bauen.
Also legte ich los und begann, eine Gitarre zu zeichnen, die einige Profis, denen
ich das zeigte für Unsinn hielten: das wird nicht klingen, das klappt nicht, das
macht keinen Sinn. So und ähnlich waren die Kommentare. Naja.
In den beiden nächsten Spalten zeige ich die Grundidee, auf der meine Nr. 3
basiert. Nicht jedes Detail werde ich zeigen, denn schon vorab darf ich
verraten, dass ich mit dem Versuch sehr zufrieden geworden bin - und ich möchte
keine Bauanleitung zu einer Kopie meines kleinen, möglicherweise zukunftsträchtigen
Experimentes geben.
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Bauphase und Abstimmung:
Ich habe die Gitarre "Linsengitarre" getauft. Die Grundidee war, eine
möglichst runde linsenförmige (außen dünn, innen dick) Schwingungsfläche rund
um den Steg ohne traditionelle Strahlenbalken zu
erzeugen. Das Schallloch störte diesen Beinahe-Kreis und musste deshalb
nach oben "auswandern".
Außerhalb der Schwingungsfläche (der Membran)
sollte das Instrument recht steif und massiv werden, ich erhoffte mir
dadurch weniger oder gar keinen Ärger mit Wolftönen zu bekommen.
Das Material aus dem die Gitarre ist, ist zunächst einmal ganz normal:
Decke aus Fichte und Boden/Zarge aus ostindischem Palisander. Das
kleine Geheimnis liegt in der Art und Weise, wie die unterschiedlichen
Deckenstärken innerhalb der Linse erreicht wurden.
Verraten will ich nur soviel: Die Deckenstärke ist am Rand der Linse sehr
dünn; in der Mitte - unter dem Steg - aber fast 5mm stark. Dabei sind keine
Kunststoffe, sondern wirklich nur Holz als Werkstoff verwendet worden.
Die weiteren Prinzipien sind ein sehr steifer (gesperrter) Zargen, ein dicker
Boden und ein Steg, der
mit beweglichen Knochenauflagen zur Kompensation versehen ist.
Abstimmung:
Wie stimmt man eine Gitarre ohne Erfahrungswerte ab?
Nur mit dem gesunden Menschenverstand und viel Geduld! Das heißt:
die verstärkte Decke mit einem Mini-Hobel bearbeiten und immer wieder fühlen
und klopfen - solange, bis eine gefühlt gleichmäßige Membran entstand, die
beim Abklopfen rund herum helle und lange Schwingungen erzeugte. Ein
langwieriger aber auch spannender Vorgang, bei dem ich allerdings oft gezweifelt habe.
Der Rest ist vielleicht der Tatsache zu verdanken, dass ich das Handwerk
Instrumentenbau eben nicht auf traditionelle Art und Weise gelernt habe:
Kein Gedanke an historische Bauweisen,
keine "Schulmeinung" und keine Angst vor der Verletzung irgendwelcher
Grundregeln haben mir die konsequente Verfolgung meines Konzeptes verbaut. Und
noch etwas hat mir geholfen: Hermann Gräfe, unter dessen ständiger Beobachtung
ich meine Nr. 3 baute, hat mich in meiner Euphorie nie gedämpft und nie meine
Ideen unterdrückt, sondern mir
immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden, wenn ich wieder mal nicht wußte, wie
ich handwerklich den nächsten Schritt ausführen sollte. Vielen Dank!
Jetzt ist das Instrument bis auf den letzten Feinschliff der Lackierung fertig
und ich habe immer wieder zwischendurch Saiten aufgezogen, um meine Neugierde
zu befriedigen. Und ich war und bin positiv überrascht: die "Linsengitarre" ist
besser geworden, als ich es einem Anfänger wie mir zugetraut hätte. Sie hat
einen sehr charaktervollen Klang, klingt laut und lang, ist leicht zu spielen
und bietet mit der siebten Saite dazu noch ein paar interessante
musikalische Möglichkeiten.
Na, jedenfalls hat mir das den Mut gemacht, in diesem Jahr noch einmal zwei
Gitarren nach diesem Prinzip zu bauen. Einfach, um zu überprüfen, ob sich dieser
Erfolg reproduzieren lässt. Ich werde berichten.
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Zu verkaufen:
Eine Gitarre nach diesem Vorbild kann bei mir bestellt werden.
Da ich solche Instrumente natürlich nicht "auf Vorrat" baue, bietet sich
folgendes Verfahren an: wer gerne sofort so eine außergewöhnliche
Gitarre hätte, leistet eine Anzahlung von 30% des
Kaufpreises, erhält bis zur Fertigstellung die oben beschriebene
Gitarre und kann sich dann bei Lieferung zwischen beiden Instrumenten
entscheiden.
Der Preis ist abhängig von den gewünschten Hölzern, Verzierungen,
Mechaniken usw. und sollte jeweils individuell mit mir verhandelt werden.
Ausstattung der oben gezeigten Gitarre:
- Mensur: 650 mm
- Sieben Saiten (7. Saite D-Bass)
- Decke: Fichte
- Boden: ostindischer Palisander
- Zarge: ostindischer Palisander und Alpenfichte
- Randeinlage: Palisander
- Griffbrett: Ebenholz
- Kopfplatte: Palisander
- Mechanik: Konus-Wirbel nach einem Vorbild aus dem Jahr 1810
- Lackierung: Schelllackpolitur rundum
Mögliche Variablen: Sechs- oder achtsaitig, Mensur 630 bis 650 mm,
Boden / Zargen aus Ahorn, Andere Form der beiden Schalllochhälften,
Steg ohne verschiebbare Kompensation, andere Kopfplatte, Mechanik Goto
(sehr variabel in der Ausführung), Mechanik Reischel, Mechanik Alessi
(kommt in der Qualität nahe an Rodgers heran)
Alessi Mechanik
Die Gitarre ist im Moment noch bei einer Kundin und wird erst wieder
Anfang Dezember zu meiner Verfügung stehen.
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