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Erwin von Grüner, "Doppelgitarre" nach 1985

Erwin von Grüner ist ein ungewöhnlicher Gitarrenbauer, der auf dem Label seiner Gitarren als "Geigenbaumeister" firmiert. Von ihm kenne ich
- "normale" Konzertgitarren,
- das kleine Modell, das in der Korpusgröße und -proportion an Instrumente aus dem frühen 19. Jahrhundert erinnert,
- "Doppelgitarren", so nenne ich sie: in einer normal großen Konzertgitarre hat er einen zweiten Korpus (etwa so groß wie seine "kleine") eingebaut und
- Kopien von Torres-Gitarren (um 1860).




Zu von Grüners Gitarren allgemein:

Immer ein wenig neben dem Mainstream hatte sich von Grüner eine Fangemeinde erarbeitet, die ihm auch noch nach seinem Tod die Treue hält. Das hat sich wohl so entwickelt, weil er selbst viel von seiner Klangphilosophie gesprochen hat. Das wurde von seinen Kunden gerne aufgenommen. Die Instrumente sind gut, aber nicht spektakulär. Erwin von Grüner ging nicht wie andere Gitarrenbauer in den 60er bis 80er Jahren den "modernen" Weg des Dünnbaus oder der bedingungslosen Suche nach Lautstärke, sondern hielt sich oft an historische Vorbilder. Angeblich soll er gesagt haben, dass er seine Interpretationen dieser Vorbilder für besser hielt als die Originale. Aber das könnte auch nur aus der Gerüchteküche stammen.

Eine Ausnahme von dieser Philosophie bildeten eigentlich nur seine "Doppelgitarren", mit denen er den Wünschen der Kunden nach großer Lautstärke mit unkonventionellen, aber erfolgreichen Methoden nachkam.

Die Gitarren sind jedenfalls in einem positiven Sinne solide, dennoch aber nicht zu dick gebaut. Das heißt, dass bei guter Pflege (nie unter 40% Luftfeuchtigkeit z. B.) seine Gitarren eigentlich bei gleich bleibender Qualität viele Jahrhunderte alt werden könnten.

Seine Instrumente sind, was die Holzauswahl, Verzierungen (Randeinlage, Kopfplatte, Schalllochverzierung, usw.) und Details angeht aufwändig gearbeitet, sind aber trotzdem preiswert geblieben. Auffällig sind manchmal farblich unpassende Holzkombinationen oder kleine proportionale Ungereimtheiten, die aber nur aufmerksamen Betrachtern auffallen und den Spieler eigentlich nicht stören sollten.





Zu der angebotenen Gitarre im speziellen:

Die "Doppel-Gitarre", die hier angeboten wird, stammt aus dem Besitz einer Freundin von mir, die mit dieser Gitarre ihr Musikstudium absolviert hat.

In der normal großen Gitarre ist noch einmal ein kleiner Gitarrenkorpus eingearbeitet, den man durch drei "Zargenfenster" auch sehen kann:



Diese "Doppel-Gitarren" sind - Grüner untypisch - sehr laut! Die Lautstärke ist aber nicht wie bei vielen anderen "moderneren" Gitarren durch dünne Wandstärken mit den entsprechenden Nachteilen erkauft. Sie hat ein gutes Sustain, ist sehr variabel bei den Klangfarben und lässt sich leicht spielen.
Von Grüners Idee soll gewesen sein, in dieser Konstruktion die Vorzüge einer Laute (z. B. die Trennschärfe) mit denen einer Gitarre (z. B. die Lautstärke) zu verbinden. Beim Spielen kann man die Gene einer Laute kaum entdecken - man hört eher eine moderne, kraftvolle Gitarre.

Auf dem Label ist keine Jahreszahl eingetragen. Auf Grund der Bauart ging ich immer davon aus, dass die Gitarre zwischen 1980 und 1987 gebaut wurde. Das passt gut zu anderen Informationen, nach denen von Grüner Gitarren erst nach seiner Pensionierung (nach 1985) Instrumente ohne Eintrag des Baujahres auf dem Label verkaufte.

Die Decke ist aus Fichte und hat 1A Qualität: feinjährig, mit perfektem Spiegel und wunderschönen Haselspuren:



Preis: VB Euro 2.600,-


Boden und Zarge sind aus perfekt gerade gewachsenem Riegelahorn, der (typisch für von Grüner) sehr stark eingefärbt ist. Hier gut sichtbar an einer Stelle, wo der Lack ein wenig abgeplatzt ist:





Die Lackierung der Gitarre ist noch original und trägt zahlreiche kleine Gebrauchsspuren, wie sie bei einem Profi im Alltagsgebrauch eben so entstehen:



Zur Gitarre gehört ein leichter, aber stabiler Koffer.

Das Instrument ist einwandfrei spielbar, die Saitenlage ist perfekt. Da die Gitarre mehrere Jahre nicht mehr gespielt wurde, braucht sie bei regelmäßiger Bespielung ein paar Wochen, bis sie wieder so klingt wie eine typische Doppelgitarre von Grüner.

Interessenten für diese wirlich gute Gitarre wenden sich bitte direkt an die Besitzerin:
Anna Torge
Tel.: 0176- 50 20 98 52


Redaktion: Johannes Tappert